Kastration beim Hund - Das sollten Sie wissen

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Sollte ich meinen Hund kastrieren lassen? Wenn Sie diese Frage auch gerade umtreibt, wenn Sie wissen möchten, welche Vor- und Nachteile eine Kastration hat, welche Risiken der Eingriff birgt, welche gesundheitlichen, rechtlichen und ethischen Aspekte Sie berücksichtigen sollten, dann finden Sie in diesem Artikel Antworten.

Zwei Hunde stehen sich gegenüber

Kastration, Sterilisation und Hormonimplantat – was sind die Unterschiede?

Oft gibt es Missverständnisse mit den Begriffen “kastrieren” und “sterilisieren”. Und was ist denn ein Hormonimplantat? Entwirren wir einmal die 3 Begriffe:

Kastration

Die Kastration ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem die hormonproduzierenden Keimdrüsen des Hundes vollständig entfernt werden. Beim Rüden sind das die Hoden, bei der Hündin die Eierstöcke. Dieser Eingriff macht den Hund unfruchtbar und hat einen massiven Einfluss auf seinen Hormonhaushalt. Rechnen Sie für die Hormonumstellung nach der Kastration etwa 6 Wochen. Allerdings verläuft sie bei jedem Hund unterschiedlich.

Die Kastration kann verschiedene Auswirkungen auf das Verhalten und die Gesundheit Ihres Hundes haben, einschliesslich möglicher Verhaltensänderungen und gesundheitlicher Risiken. Es ist wichtig, diese Aspekte sorgfältig zu berücksichtigen, bevor Sie sich für die Kastration Ihres Hundes entscheiden.

Sterilisation

Die Sterilisation hingegen ist ein Verfahren, bei dem der Tierarzt die keimableitenden Wege, also die Samen- oder Eileiter, durchtrennt oder entfernt. Dies führt dazu, dass keine Keimzellen mehr transportiert werden können, wodurch der Hund unfruchtbar wird.

Ein grosser Vorteil der Sterilisation ist, dass im Gegensatz zur Kastration, nicht in den Hormonhaushalt eingegriffen wird. Der sterilisierte Hund ist zwar nicht mehr fortpflanzungsfähig, bleibt aber sexuell aktiv wie zuvor.

Eine Sterilisation kann operativ rückgängig gemacht werden, eine Kastration hingegen nicht. Beachten Sie, dass auch die Sterilisation unter Vollnarkose durchgeführt wird, was immer ein gewisses Risiko birgt.

Hormonimplantat – chemische Kastration

Die chemische Kastration ist eine Art Kastration auf Probe, die aber nur beim Rüden möglich ist. Ihm wird ein auflösbares Hormonimplantat eingesetzt, das ihn für 6 bis 12 Monate hormonell ruhigstellt und unfruchtbar macht. Seine Testosteronproduktion ist in dieser Zeit auf ein Minimum gedrosselt. Das Implantat hört nach etwa 12 Monaten auf zu wirken, die natürliche Hormonproduktion des Hundes setzt wieder ein, und er ist wieder voll fortpflanzungsfähig.

Diese Lösung kann interessant sein, wenn Sie eine Kastration Ihres Rüden in Erwägung ziehen, weil er ein rüpelhaftes sexualisiertes Verhalten an den Tag legt und Sie testen wollen, ob er damit mit gesenktem Testosteronspiegel aufhören würde.

Für Hündinnen gibt es im Moment keine Alternative zur operativen Kastration oder Sterilisation.

Warum Sie Ihren Hund (nicht) kastrieren lassen sollten

Wann ist also eine Kastration Ihres Hundes sinnvoll? Natürlich lässt sich diese Frage nicht so pauschal beantworten. Folgende Aspekte sollten Sie beim Entscheid berücksichtigen:

Rechtliche und ethische Überlegungen

Beachten Sie als erstes, dass die Kastration von Hunden rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen unterliegt. In der Schweiz ist die Kastration gemäss Art. 24b der Tierschutzverordnung erlaubt, um eine unkontrollierte Fortpflanzung zu verhindern. Sie muss aber immer unter Berücksichtigung der Würde und des Wohlergehens des Hundes erfolgen und niemals aus Bequemlichkeit oder zum reinen Vorteil des Menschen.

Medizinische Gründe für eine Kastration

In manchen medizinischen Fällen ist eine Kastration notwendig. Bei Hündinnen können das etwa bösartige Tumore an den Eierstöcken, der Gebärmutter, den Gesäugeleisten oder Diabetes mellitus sein. Bei Rüden sind bösartige Hodentumore, Hodenentzündungen, Hodenverletzungen sowie Prostata- und Analtumore allfällige medizinische Gründe. In solchen Fällen muss ein Tierarzt (mit-)entscheiden.

Gewünschte Verhaltensänderung

So manche Hundehalter haben die Hoffnung, dass ihr Hund weniger aggressiv, laut oder ungezogen ist, sobald er durch die Kastration seinen Sexualtrieb verliert. Vorsicht mit dieser Annahme, denn eine Kastration wird nur das spezifische Verhalten beeinflussen, das in direktem Zusammenhang mit den Sexualhormonen steht. Ihr Rüde wird also nicht einfach ruhiger, weil Sie ihn kastrieren lassen.

Alle Verhaltensweisen, die auf mangelnde Erziehung oder Sozialisierung zurückzuführen sind, werden sich auch nach einer Kastration nicht ändern. Seien Sie da auch ganz ehrlich mit sich selbst, um keine falschen Erwartungen an die Wirkung einer Kastration zu haben.

Beachten Sie auch, dass die mit einer Kastration unterdrückten Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen nicht nur für die Fortpflanzung eine Rolle spielen. Sie haben Einfluss auf weitere Körperfunktionen und Verhaltensweisen. Rechnen Sie also auch mit einer Wesensänderung Ihres Hundes als mögliche Folge einer Kastration.

Lassen Sie sich unbedingt vom Tierarzt beraten, denn auch individuelle Faktoren wie Geschlecht, Alter, Gewicht, Grösse und Sozialverhalten Ihres Hundes müssen bei der Entscheidung berücksichtigt werden. Wenn Sie unsicher sind, holen Sie eine zweite Meinung von einem anderen Tierarzt ein.

Vor- und Nachteile einer Kastration

Vorteile der Kastration

  • Ihr Hund kann sich nicht mehr fortpflanzen. Dafür würde allerdings auch eine Sterilisation reichen.
  • Rüden verlieren ihr hormonbedingt sexualisiertes Verhalten.
  • Kein weisser Ausfluss mehr bei geschlechtsreifen Hunden.

Nachteile der Kastration

  • Gesundheitliche Risiken: etwa die Hälfte der kastrierten Hunde neigt zu Fettleibigkeit, was wiederum zu möglichen gesundheitlichen Problemen wie Gelenkbeschwerden, Herz- und Lebererkrankungen führen kann.
  • Wesensänderung: Lethargie und nachlassendes Interesse an Aktivitäten durch fehlende Hormone möglich.
  • Erhöhte Anfälligkeit für Ohrenentzündungen: betrifft etwa 30 Prozent der kastrierten Hunde.
  • Veränderungen im Sozialverhalten: Rüden können Schwierigkeiten haben, sich untereinander richtig zu "verstehen" und zu kommunizieren.
  • Bei zu früher Kastration: unreifes Verhalten.
  • Diverse mögliche Nebenwirkungen wie Inkontinenz, Fellveränderungen, Altersdemenz.

Kosten einer Kastration beim Hund

Die Kosten für die Kastration können je nach Tierarzt, Region und individuellen Umständen variieren. Faktoren wie die Grösse des Hundes, der Medikamentenverbrauch, die Operations- und Narkosetechnik sowie mögliche Komplikationen können die Gesamtkosten beeinflussen.

Die Kosten für eine Kastration liegen in der Schweiz in folgendem Rahmen:

  • Rüde: CHF 250-500
  • Hündin: CHF 500-800
  • Hormonimplantat: CHF 100-200

Alter: wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Kastration?

Haben Sie sich einmal für die Kastration entschieden, taucht die Frage auf, welches Alter Ihres Hundes der richtige Zeitpunkt ist. Auch das ist eine Frage, die Sie unbedingt mit dem Tierarzt besprechen sollten, weil dies auch von den Gründen der Kastration abhängt.

Ein wichtiger Anhaltspunkt ist sicher, dass die Pubertät Ihres Hundes abgeschlossen sein sollte, damit es durch den massiven hormonellen Eingriff der Kastration nicht zu Fehlentwicklungen und Folgeschäden kommt. Je nach Rasse und Grösse kann eine Kastration etwa ab dem 12. bis 24. Monat vorgenommen werden.

Was sollten Sie nach der Kastration beachten?

Die Operation ist überstanden, Ihr Hund darf nach Hause – das übrigens meistens noch am selben Tag, sobald er wieder selbständig gehen kann. Jetzt ist erst einmal Schonen angesagt:

Schmerzmittel und Ruhe

Nach einer Kastration hat ein Hund Schmerzen. Der Tierarzt wird Ihnen Schmerzmittel mitgeben, die Sie ihm nach Absprache geben. Wichtig ist auch, dass er in diesen ersten Tagen nach dem Eingriff Ruhe hat und dass Sie für ihn da sind.

Damit er seine Wunde nicht lecken kann, bekommt er für etwa 10 Tage eine Halskrause, auch Trichter genannt, oder eine Art Hose, die die Wunde schützt. Das ist zwar unangenehm, verhindert aber, dass Bakterien in die Wunde gelangen.

Nach der Kastration sind 14 Tage Ruhe angesagt. Die Gassi-Runde reduzieren Sie auf 3 Mal 15 Minuten, keine stundenlangen Touren. Versuchen Sie zu verhindern, dass Ihr Hund spielt, hoch- und runterspringt, möglichst auch nicht Treppen steigt. Es geht darum, dass die Wunder nicht aufreisst.

Die Fäden werden normalerweise zwischen dem 10. und 12. Tag nach der Operation gezogen, und dann darf Ihr Liebling auch bald schon wieder herumtoben und mit anderen Hunden spielen.

Futter nach der Kastration anpassen

Weil die Kastration einen verminderten Energiebedarf und manchmal auch einen erhöhten Appetit mit sich bringt, müssen Sie gut darauf achten, dass Ihr Vierbeiner nicht übergewichtig wird. Ein solches Übergewicht kann schleichend kommen, und dann ist es, wie bei uns Menschen, recht schwierig, es wieder loszuwerden.

Die grosse Frage ist: welches Futter ist geeignet nach der Kastration Ihres Hundes? Das Hundefutter von ANiFiT können Sie Ihrem Hund weiterhin auch nach der Kastration geben. Ein «Light-Futter» ist nicht nötig. Wichtig ist jedoch, dass Sie die Futtermenge verringern. Das machen Sie so:

  1. Wiegen Sie Ihren Hund nach der Kastration und notieren Sie sein Gewicht. Ab jetzt geben Sie ihm 10 bis 20% weniger Futter als vor dem Eingriff.
  2. Nach 2 Monaten wiegen Sie ihn wieder und schauen, ob er sein Gewicht halten konnte oder ob Sie noch etwas weniger Futter geben wollen – oder womöglich auch wieder etwas mehr.
  3. Machen Sie das weiterhin, bis sich das Gewicht Ihres Hundes auf einem gesunden Mass stabilisiert hat.

Bewegung und Training

Hand in Hand mit der Ernährung geht natürlich auch die Bewegung, um Übergewicht vorzubeugen. Lassen Sie Ihren Hund so viel herumtollen, wie er möchte, und bieten Sie auch ein Bewegungsprogramm an, das ihn etwas fordert und motiviert.

Bauen Sie auch Beschäftigungen in den Tag ein, die das Hirn Ihres Hundes fordern und ihm Erfolgserlebnisse verschaffen, so dass er auch geistig fit und von einer Demenz verschont bleibt.

Fazit

Eine Kastration ist ein schwerer Eingriff in die Körperfunktionen Ihres Hundes. Darum wägen Sie vorsichtig ab, ob eine Kastration zum Wohle Ihres Hundes und die Risiken wert ist.

Es gibt 2 gewichtige Gründe, einen Hund kastrieren zu lassen:

  1. medizinische Notwendigkeit
  2. aggressives Verhalten aufgrund Sexualhormone (Rüden)

Im 2. Fall bietet sich eine zeitlich beschränkte chemische Kastration mit einem Hormonimplantat an, um zu prüfen, ob sich das Verhalten zum Positiven ändert, wenn die Geschlechtshormone Ihres Hundes unterdrückt sind.

Störendes Verhalten, das nicht auf Sexualhormone zurückzuführen ist, lässt sich durch eine Verhaltenstherapie und mit Hilfe eines Hundetrainers verändern. Dazu ist keine Kastration nötig. Möchten Sie «nur» die Fortpflanzung unterbinden, reicht eine Sterilisation.

Um mehr über die Kastration von Katzen zu erfahren, lesen Sie unseren Blogartikel Katzen kastrieren: Ja oder Nein?.

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